Nach den ganzen Reisevorbereitungen und den anfänglichen Reisebedenken landeten wir nach knappen 4h auf dem Marrakech International Airport. Klar, um nach Island zu kommen, fliegt man ähnlich lange, aber wenn man dann in Keflavik landet, weiß man, dass man immer noch in Europa ist, denn alles sieht sehr vertraut aus. In Marrakech betritt man eine völlig andere Welt. Der Taxifahrer, der uns in unser Riad bringen sollte, wartete schon in der Empfangshalle und nachdem wir noch ein paar Euro in Dirham getauscht hatten, ging es auch gleich los. Da der Flughafen recht zentral in Marrakech liegt, verließen wir schon nach kurzer Zeit die großen von Palmen umsäumten Straßen und fuhren direkt in die Medina, die Altstadt Marrakechs. Die Straßen wurden zu Gassen und schließlich noch enger. Überall wuselten Menschen umher – in Autos, auf Eselkarren und Mopeds, auf Fahrrädern oder zu Fuß. Am Rand reihten sich Geschäfte, kleine Werkstätten und Wohnhäuser eng aneinander. Unser Taxifahrer, deutlich weniger beeindruckt als wir, fuhr einfach weiter und zwar mit dem Fuß auf dem Gaspedal und der Hand ständig an der Hupe. Währenddessen feierte ich schon den Entschluss nicht mit dem eigenen Mietwagen hier hineinfahren zu müssen. Vor einer Moschee wurden die Straßen dann so eng, dass es mit dem Auto nicht mehr weiter ging. Zum Glück trafen wir uns an der Moschee mit Mohamed, einem Angestellten unseres Riads, der uns zielstrebig zum Haus brachte. Hätten wir uns alleine auf den Weg gemacht, hätten wir unsere Unterkunft niemals gefunden. Ich wiederhole, niemals. Denn nach dem wir um unzählige Ecken gebogen waren, mussten wir abschließend durch einen knapp 150cm hohen Gang kriechen, bevor wir endlich vor dem Riad standen.
Unsere Unterkunft stellte sich als überwältigend heraus. Drei einzelne Häuser, die durch Wanddurchbrüche zu einem vereint wurden. Drei Innenhöfe, von denen man den strahlendblauen Himmel betrachten konnte, entweder auf Sofas liegend oder im Pool schwimmend. Die Zimmer stilvoll orientalisch eingerichtet, mit Badezimmern, die wirkten, als wären sie aus einem einzigen Stein herausgehauen worden. Ein Ort, an dem man wunderbar entspannen und sich an den afrikanischen Kontinent akklimatisieren konnte. Doch kommen wir zu dem wirklich Spannenden an Marrakech, Marrakech selbst nämlich.
Wir bewegten uns fast ausschließlich in der Altstadt der Millionenmetropole, denn das ist auch der spannende Bereich. Zwar gibt es noch French-Town, die Neustadt, aber die hat bei weitem nicht so viel zu bieten wie die historische Medina. Die Altstadt besteht fast komplett aus engen Gassen (teilweise sogar überdacht) und kleinen Plätzen, die durch unzählige Läden und Marktstände noch enger und kleiner gemacht werden. Man könnte fast auf den Gedanken kommen, dass in Marrakech jeder was zu verkaufen hat und auch alles daran setzt etwas zu verkaufen. Besonders als Tourist ist man diesem Umstand schutzlos ausgeliefert. Ständig wird man angesprochen, auf Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Ob man nicht einen Teppich kaufen wolle, oder kunstvoll gestaltete Lampen und Spiegel oder ein Festtagsgewand, neue Schuhe, Gürtel und sonstige Lederwaren oder Schmuck und kleine Kästchen um diesen aufzubewahren, Mützen und Taschen oder Gewürze und Tee. Hat man einen Verkäufer hinter sich gelassen, steht schon der Nächste bereit, um sein Angebot feilzubieten. Während andere Besucher von dieser großen Umsorge bestimmt verzückt waren, hat es mich nach ein paar Stunden einfach nur noch genervt, da man sich kaum einmal umschauen konnte, ohne gleich ein Dutzend Verkäufer auf sich aufmerksam zu machen. Klar kann ich verstehen, dass viele Einwohner Marrakechs auf diese Verkäufe angewiesen sind, aber wenn man wirklich nichts von dem angebotenen Krempel gebrauchen kann, dann verliert man schnell jedes Verständnis.
Ist man aus den Fängen der Verkäufermassen entkommen, tritt man fast immer (egal aus welcher Richtung man kommt) auf den Djemaa el Fna, den zentralsten Platz der Stadt, der vor Schlangenbeschwörern, Artisten und Akrobaten, fliegenden Händlern und natürlich Touristen fast überquillt. Zahlreiche Cafés und Restaurants, aus denen man das bunte Treiben wunderbar beobachten und auf sich wirken lassen kann, umgeben diesen Platz. Im Hintergrund ragt das gewaltige Minarett der Koutoubia Moschee auf, von dem (und den hunderten weiteren Moscheen der Stadt) regelmäßig ein Muezzin zum Gebet ruft. Dies ist übrigens ein atemberaubendes Erlebnis, wenn man gerade nichtsahnend mit einem zuckersüßen Minztee entspannt und plötzlich eine Welle von durch Lautstärker verstärkten Gebetsrufen über die Stadt rollt, dann kann man schon Gänsehaut bekommen. Leider kann man die Moscheen der Stadt nicht besichtigen, da diese nur Moslems zugänglich sind. Aber auch so kann man locker 3 Tage in der Metropole verbringen, besonders, wenn man einen Tag damit verbringt, sich in einem Hamam, einem klassischen, orientalischen Dampfbad, von einer alten Frau waschen und massieren lässt.
In der nächsten Ausgabe lesen Sie… der Atlas, Hollywood und the dirty south.
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