Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald… ja, fast genau so geht auch die Geschichte von Walter Moers los. Aber eben nur fast und im weiteren Verlauf merkt man den deutlichen Unterschied zwischen dem klassischen Märchen und Moers Fantasy-Roman. Zwar gibt es in beiden Büchern zwei Kinder, die sich im großen, dunklen Wald verlaufen, in beiden Büchern gibt es Hexenhaus und natürlich eine Hexe. Doch dem Leser werden die Unterschiedlichkeiten schon in den ersten Zeilen auffallen.
Erstens: spielt Ensel und Krete nicht auf uns bekannten Kontinenten, sondern auf Zamonien. Wo genau das liegt will ich hier nicht vorwegnehmen, aber soviel sei gesagt: es gibt dort ein Atlantis und einen großen, dunklen Wald.
Zweitens: sind Ensel und Krete zwei Kinder, jedoch nicht menschlich sondern menschenähnlich. Bei ihrer Gattung handelt es sich um Fhernhachen, Halbzwerge, die einen bestimmten Abschnitt Zamoniens bewohnen.
Drittens: die Hexe ist eine Hexe, aber nicht so wie die Inquisition eine Hexe definieren würde, sondern etwas anderes (aus Rücksicht auf die Leute, die das Buch noch lesen wollen, wird hier auf die Beschreibung der Hexe verzichte).
Das Buch an sich ist sehr kurzweilig. Es gibt Drogen, gefährliche Bestien, Außerirdische, Axt schwingende Bären (und das sind nicht die gefährlichen Bestien), zwei Kinder, die niemals aufgeben und ein doppeltes Ende. Wer die Scheibenwelt Romane von Terry Pratchett mag, der wird auch seinen Spaß mit Moers Zamonien haben.
Ein weiteres witziges Element des Romans ist wie er geschrieben wurde. Walter Moers ist offiziell nämlich nicht der Autor des Buches, sondern nur der Übersetzer. Geschrieben wurde das Werk von dem zamonischen Dichterdinosaurier Hildegunst von Mythenmetz und dieser hat seine ganz eigene Art seine Werke zu perfektionieren. So kommt es nicht selten vor, dass der Text einfach unterbrochen wird und Mythenmetz, in einer Mytenmetzischen Abschweifung, erzählt, warum er wie was geschrieben hat, oder einfach mal über seine Kritiker herzieht und diese beleidigt. Zwar muss man sich anfangs etwas an diesen Erzählstil gewöhnen, aber ich habe mich schnell damit abgefundne und schon gebangt darauf gewartet endlich zur nächsten Mytenmetzischen Abschweifung zu kommen.
Das Buch hat mich so gut unterhalten, dass ich mir gleich noch zwei weitere Moers Zamonien Romane zugelegt habe. Gibt es wohl unter meinen Leser Zamonien Freunde?!
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