Am dritten Tag unserer Islandreise ging es schon früh morgens los, denn am Samstag Vormittag sollten wir, nach zwei tollen Tagen in Reykjavik, unseren gemieteten fahrbaren Untersatz abholen und das Land abseits der Hauptstadt erkunden. Ein schnelles Frühstück und dann ging es auch schon los, mit dem gesamten Gepäck auf dem Rücken. Die Autovermietung lag gleich um die Ecke und wir mussten nicht, wie so viele anderen, erst wider 50km zurück zum Flughafen fahren, um unseren Geländewagen abzuholen. Und dann satand er da, ein monströses Stück Ingenieurskunst in gold. Gebaut um jeden Berg zu bezwingen, jede Furt zu durchqueren und Geschwindigkeitsrekorde auf der Autobahn zu brechen.

Der goldene Geländewagen
Unser Auto ist das, was bei dem anderen locker in den Kofferraum passen würde. Und wenn ihr denk, dass der Geländewagen links schon wirklich groß ist, kann ich euch sagen, dass wir noch viel größere gesehen haben. Und mit größere meine ich welche, bei denen mir die Reifen bis zur Brust gingen. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht besonders klein bin. Und wer mich nicht persönlich kennt, sollte wiessen, dass ich knapp 2m groß bin.
Bevor wir in die einsamen Ecken Islands reisten, wollten wir uns die Attraktionen ansehen, die eigentlich jeder bei einem Islandbesuch gesehen haben sollte. Oder besser gesagt: die Attraktionen und Naturwunder, die jeder sofort mit Isalnd verbindet. Und so machten wir uns auf den Weg in den goldenen Zirkel. Als goldenen Zirkel bezeichnet man die Region östlich von Reykjavik, in der man sowohl den größten Geysir als auch einen sehr großen Wasserfall des Landes findet. Die direkte Nähe zur Hauptsatadt mach diese Attraktionen natürlich zu sehr beliebten Ausflugszielen für zahlreiche Einheimische und noch mehr Touristen.
Der erste Stopp auf unserer Tour war der kleine Ort Pingvellir. Und mit kleine will ich sagen, dass der Ort aus ganzen 4 Häusern und einer Kirche besteht. Wir gewöhnten uns schnell an die Größenverhältnisse und daran, dass wenn mehr als zwei Häuser zusammenstehen unser Straßenatlas von Ort und wenn mehr als 150 Leute in einem Umkreis von 2km um eine Kirche wohnen von Stadt sprach.

Großstadt Pingvellir
Doch Pingvellir ist primär nicht wegen seinen 4 Häusern oder der Kirche bekannt, sondern wegen einer geologischen Begebenheit. Denn bei Pingvellir treffen die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinander, oder besser gesagt kann man hier beobachten, wie die beiden Platten auseinander drifften. Natürlich sieht man nicht wie sich die Erde aufspaltet und ein Punkt sich von einem anderen entfernt, denn solch ein gewaltiger Vorgang braucht natürlich Zeit. Doch da der Drifft schon einige Zeit unterwegs ist, kann man eine kilometerlange Spalte sehen und auch erwandern.

Kontinentaldrift
Auch die ersten Bewohner Islands mussten wissen, dass dieser Ort etwas besonderes ist, denn sie beschlossen hier ihre regelmäßigen Ratsversammlungen (Alping) abzuhalten, bei denen sowohl über Recht & Ordnung, als auch über Landverteilung und dergleichen entschieden wurde. Leider war das Wetter an diesem Tag nicht besonders gut und somit konnten wir die Aussicht über einen angrenzdenen und riesiegen See, sowie das Land und herausragende Gebirge in der Ferne nicht genießen. Trotz des Dauerregens machten wir unsere erste Wanderung, denn schon aus der Entfernung war das tösen eines Wasserfalls zu hören. Und so kamen wir zu dem ersten Wasserfall unseres Urlaubs. Viele weitere sollten folgen.

Wasserfall bei Pingvellir
Hier wurde uns eines klar: sobald man an einen Ort nicht direkt mit seinem Auto hinfahren kann, ist er für viele Touristen nicht mehr interessant. Denn bei einbißchen Wind und Regen könnte ja die Frisur zerstört werden. Glück für uns, denn so konnten wir einige wirklich schöne Orte genießen, ohne uns zwischen Massen von Leuten durchdrängeln zu müssen.
Weiter ging es in Richtung Osten zu unserem nächsten Etappenziel, den weltbekannten Geysiren. Man sollte meinen, dass bei dem Andrang an Toursiten die Anfahrtswege sehr gut ausgebaut wären, doch das ist nicht ganz so. So mussten wir uns mehrere Kilometer über Straßen quälen, die mehr Schlaglöcher als Straßen waren. Am Ziel angekommen ist man dann erstmal etwas ernüchtert. Die Gegend, in der man die Geysiere findet, ist ein karges am Hang gelegendes Feld, mit kaum Vegetation, blubbernden Schlammlöchern und einem in der Luft hängendem Aroma, das stark an faule Eier erinnert. Doch wenn man dann vor dem Strokkur, einem etwa 5m durchmessendem Loch gefüllt mit Wasser steht, das Wasser langsam aber sicher in Bewegung gerät, um dann plötzlich in einer bis zu 30m hohen Wassersäule in die Luft schießt, ist man schon scheiße begeistert. Auf dem unten abgebildetem Foto (aufgenommen aus sicherer Entfernugn, wieder eine Stelle, an die kaum Touristen gewandert sind) kann man rechts den gerade explodierenden Geysier erkennen, der regelmäßig alle 5-10min hochgeht.

Geysier Strokkur und Umgebung
Auf dem Gebiet kann man neben dem Geysier auch noch andere tolle Naturphänomene beobachten. Zum Beispiel ein Becken, mit total klarem und fast kochend heißem Wasser sowie ein angrenzendes Becken, mit getrübtem und leuchtendem Wasser.

Leuchtendes Becken
Fortgesetzt wurde unsere Fahrt weiter in den Osten zu dem Wasserfall Gullfoss. Vom größtem Fluss Islands gespeißt, bietet das herabstürzende Wasser einen großartigen Anblick und erzeugt dabei einen ohrenbetäubendne Lärm.

Gullfoss von vorne

Gullfoss von hinten
Durch weite Wiesenlandschaften setzten wir unseren Weg nach süden in Richtung Selfoss fort, wo wir die Nacht verbringen wollten. Außer den zwei Übernachtungen in Reykjavik hatten wir vorher keine Übernachtungen gebucht und uns darauf verlassen, dass wir vor Ort schon etwas finden würden. Da während unseres Urlaubes in Island Sommerferien waren, waren natürlich viele Leute unterwegs. Doch wir hatten an diesem Abend Glück (wie auch an den folgenden Abenden) und fanden doch eine Unterkunft, in Form einer kleinen aber gemütlichen Blockhütte auf dem Campingplatz der Stadt Selfoss. Und da wir eine kleine Kochniesche hatten, fuhren wir noch in den nächsten Supermarkt und besorgten Kartoffeln und Köttbullar, die es in Island übrigends in diversen Geschmackssorten (sprich Fleischsorten, z.B. Lamm, Rind, Fisch) gibt. So hatten wir an diesem Tag die ersten 199km unserer Fahrt hinter uns gebracht und bereiteten unsere nächsten Etappen vor, bevor wir müde, aber sehr glücklich und begeistert in die Betten krochen.
Julia
am Aug 29th, 2010
@ 12:11:
Oh Mann-die Bilder sind echt der Hammer!!! Also wie gesagt, in fünf Jahren (oder wie auch immer dein Plan aussieht…) bin ich auch dabei!
Jean K.
am Aug 29th, 2010
@ 14:14:
Gerade den Artikel gelesen und gedacht: Regen ist überall schön, nur hier nicht. Ja, da kommt Reiselust auf. Freue mich schon auf die weiteren Etappen eurer Tour.
kamil
am Aug 29th, 2010
@ 14:54:
@Julia: Ist eingeplant, aber denn gibt es den Süden, den Osten, das Hochland und den richtigen Norden. Vulkane, riesige Glätscher und Wale.
@Jean K.: So ist das. Wenn man dafür bezahlt im Regen spazieren zu gehen, ist das was anderes. Und freu dich ruhig: wir hatten auch noch Tage mit richtigem Regen.
Dany
am Aug 29th, 2010
@ 16:51:
Oh Mann, bei den Bildern bekomme ich direkt Fernweh und ein bisschen Reue mit der Urlaubsplanung für dieses Jahr so spät angefangen zu haben.
Wahnsinn.
Afri Ola
am Aug 29th, 2010
@ 17:20:
Islands Natur ist einfach atemberaubend!
kamil
am Aug 29th, 2010
@ 17:59:
@Dany: Ich guck mal in die Kristallkugel und sage, dass die Landschaft und die Naturspektakel auch noch nächstes Jahr vor Ort sind.
@Afri Ola: ja und Gewaltig. Brutale Power die da überall freigesetzt wird.
seitvertreib
am Aug 29th, 2010
@ 18:06:
Gullfoss ist ja wohl voll boah ey!
kamil
am Aug 29th, 2010
@ 22:15:
@seitvertreib: Stimmt, aber es kommt noch “boah ey, Alter!!!”.