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gelesen: Shantaram

Bombay in den 80ger Jahren des vorherigen Jahrhundert: ein flüchtender Verbrecher aus Neuseeland erreicht diese schon damals eindrucksvolle Stadt, findet Freunde, lebt und arbeitet in den ärmsten Slum der Stadt bis er sich schließlich der indischen Mafia anschließt und dadurch an Bekanntheit und Wohlstand gewinnt.

So schnell könnte man die Geschichte abreißen, doch dach knapp 1100 Seiten starke Buch hat noch eine Menge mehr zu bieten. Ich habe jetzt einige Bücher, die in Indien situiert sind gelesen, muss aber sagen, dass Shantaram das ist, dass das indische Lebensgefühl wohl am intensivsten vermittelt. Und das obwohl es von einem Neuseeländer geschrieben wurde. Vielleicht muss man ja wirklich fremd in einem Land sein, um dessen ganze Vielfalt erleben, in sich aufnehmen und letztendlich niederschreiben zu können.

Der Autor (Gregory David Roberts) schreibt autobiografisch mit sehr viel Gefühl. Besonders seine Schilderungen des Lebens im Slum, wo er eine kleine Arztpraxis aufbaut und amateurhaft Verletzungen von Rattenbissen bis zu Cholerafällen behandelt und dabei die Medikamente von Leprakranken bezieht, sind sehr beeindruckend. Der Zusammenhalt der Armen und deren dauernd vorherrschende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft scheint so groß zu sein, dass man es kaum glauben mag.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es wird nicht nur viel über Philosophie, Religion und dass allgemeine Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und ethnischer Hintergründe berichtet, sondern auch viel über die Strukturen und Tätigkeiten eines indischen Mafiaklans. Teilweise hatte ich meine Schwierigkeiten, diese beiden so unterschiedlichen Themen unter einen Hut zu bringen, doch das Gesamtbild des Buches ist stimmig und zufriedenstellend. Man bekommt viele Anregungen, über die man noch lange nach dem lesen nachdenkt und die immer wieder im eigenem Alltag auftauchen. Auch Aktion kommt in dem Werk nicht zu kurz. So gibt es einen mehrmonatigen Aufenthalt des Hauptcharakters in einem indischem Gefängnis, der an Grausamkeit und Härte kaum zu übertreffen ist, und einen Feldzug in den Krieg nach Afghanistan, mit einem verheerenden Ende.

Dass der Autor all diese Geschehen wirklich erlebt und unbeschadet überstanden hat ist kaum zu glauben. Und doch ist es umso beeindruckender, dass er es wirklich erlebt hat und dann noch so wunderbar niederschreieben konnte. Jedem, der einen intensiven und bewegenden Einblick in den Schmelztiegel Bombay werfen möchte, kann ich Shantaram nur empfehlen.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

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4 Kommentare auf “gelesen: Shantaram”


  1. ninschenNo Gravatar
    am Aug 31st, 2010
    @ 09:00

    @kamil: du solltest rezensent werden!
    shantaram ist absolut eines der besten bücher, die ich gelesen hab. wer sich nicht von dicken büchern abschrecken lässt, dem kann ich das nur empfehlen.
    von mir gibts glatte 10 sternchen!

    AntwortenAntworten

  2. kamilNo Gravatar
    am Aug 31st, 2010
    @ 13:31

    @ninschen: vielen Dank. Shantaram inspiriert auch dazu selbst kreativ zu werden. Und wenn Schwerverbrecher ganze Bücher schreiben können, dann krieg ich ja wohl einen kurzen Text auch hin.

    AntwortenAntworten

  3. ninschenNo Gravatar
    am Aug 31st, 2010
    @ 18:03

    @kamil: willst du dich damit etwa auch als verbrecher bezeichnen? wenn auch nur ein kleinkrimineller? ;-)

    AntwortenAntworten

  4. kamilNo Gravatar
    am Aug 31st, 2010
    @ 22:44

    @ninschen: Psssssst. Nicht so laut. Wenn das hier einer ließt!!!

    AntwortenAntworten

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