Und schon wieder der nächste Beitrag für das Zockwork Orange Projekt 52 Games. Aber es würde ja nicht 52 Games heißen, wenn man nicht jede Woche ein Thema zu bearbeiten hätte. Und außerdem ist das eine schöne Chance, hier regelmäßig Leben einzubringen. Nachdem wir alle letzte Woche zu Kindern in Videospielen unseren Senf gegeben haben, lautet das Thema für Runde 16 Wasser.
Wasser kommt in Computer- und Videospielen in den unterschiedlichsten Arten und Weisen vor. Mal dient es als Rennstrecke, mal als Begrenzung eines Levels und mal einfach als das Medium, durch dass man schwimmenderweise hindurch muss. Mich hat jedoch ein Spiel besonders Begeistert, in dem das Wasser als Lebensraum genutzt wird. Naja, nicht direkt das Wasser, aber ziemlich genau unter Wasser. Ich spreche natürlich von BioShock.
Mitte der 50ger Jahre hatte ein gewisser Andrew Ryan die Schnauze voll von der Welt und besonders von der Gesellschaft, die sich auf ihr breitgemacht hatte. All die vielen politischen Systeme, Religionen und Wirtschaftsformen waren ihm viel zu bestimmend und engten ihn, und eine Gruppe von Gleichgesinnten, so stark ein, dass sie sich einfach nicht mehr frei entfalten konnten. Also beschloss man kurzerhand eine eigene Gesellschaft zu gründen, frei von weltlichen Zwängen. Und wo sollte das besser gehen als auf dem Grund des Pazifiks, der einerseits noch niemandem gehörte und andererseits unerwünschte Besucher fernhalten würde. Mit hohem finanziellem und personellem Aufwand baute man schließlich Rapture, die Stadt unter den Wellen.
Doch viel mehr möchte ich auf den Spielinhalt gar nicht eingehen, außer, dass BioShock und auch der Nachfolger, mit zu den besten Shotern gehört, die ich bisher gespielt habe. Und Wasser trägt dazu einen erheblichen Teil bei. Durch jedes Fenster, an dem man in Raptuere vorbei läuft, blickt man in das unergründliche blauschwarz des Ozean. Fischschwärme ziehen langsam vorbei und Algen tanzen geisterhaft in unsichtbaren Strömungen. Der hohe Wasserdruck, der auf den Stahlkonstrukten, aus denen Rapturen besteht, lastet, lässt die gesamte Anlage knirschen und stöhnen wie einen gewaltigen, eisernen Walfisch. Hin und wieder platzt ein Ventil und Wasser füllt eine Sektion mit brutaler Geschwindigkeit. Überall tropft es von den Decken. Es gluckert, spritzt und platscht. Und wenn man über Konsolen Geruch wahrnehmen könnte, dann würde sich das heimische Wohnzimmer sicher schnell mit einem nach Salz riechendem Dunst füllen und die „gefangen unter Wasser“-Atmosphäre wäre perfekt.
Doch auch so schon macht BioShock mit dem Einsatz des Wassers alles richtig. Für den Helden, also uns, ist es der einzige Weg, der uns in die Freiheit bringen könnte. Gleichzeitig ist es jedoch unser größter Feind (abgesehen von den Supermutanten, dem Horror und dem Chaos, welche überall auf Rapture zuhause sind) und zeigt unbarmherzig seine vollkommene Überlegenheit.
Hach, wenn ich darüber so sinniere, möchte ich das Spiel gleich wieder einwerfen und erneut durchspielen. Von der Badewanne aus. Oder zumindest mit meinen Füßen in einer Schüssel voller Salzwasser.
So langsam habe ich das Gefühl, dass rund 80% der Spiele für die XBox360 Shooter sind. Zumindest sind 80% der Spiele, die ich für meine XBox habe Shooter. Naja, die sind aber auch verdammt gut. So verhält es sich auch mit Bioshock.
Es ist 1960 und wir befinden uns gerade in einem Flugzeug mitten über dem Atlantik, als dieses abstürzt. Wir überleben und können zu einem Leuchtturm schwimmen, der zufälliger Weise gerade in der Nähe ist. Bei intensiver Untersuchung stellen wir fest, dass dieser Leuchtturm kein normaler Leuchtturm ist, sondern der Eingang zu der Unterwasserstadt Rapture. Da wir, und wir sind Jack btw., nicht wissen was wir sonst machen sollen, betreten wir die futuristische Stadt. Empfangen werden wir von einem gewissen Andrew Ryan, der uns per Videokamera überwacht und über Lautsprecher mit uns Kommuniziert. Er denkt zwar, dass uns die CIA geschickt hat und möchte uns eigentlich töten, aber nebenher erzählt er auch viel von Rapture. Andrew Ryan ist der Erbauer und Gott von Rapture. Zusammen mit den klügsten und kreativsten Menschen aus diversen Ländern der Welt entwarf und baute er die Unterwasserstadt, um sich und einige Auserwählte von korrupten und gieriegen Regierungen sowie Religionen zu erlösen. Rapture sollte ein Ort werden, an dem jeder das verwirklichen kann was er möchte. Jedoch wird einem in Rapture nichts geschenkt. Alles muss man sich erarbeiten. Wer nicht mitmacht fliegt.
Es gibt jedoch einen Gegenpart. Atlas. Auch er nimmt zu uns Kontakt auf und erklärt uns warum das System Ryan nicht funktioniert. Demnach hat sich Ryan nämlich zu einer Art Diktator aufgeschwungen und regiert seitdem Rapture mit eiserner Hand. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzt, der verswindet spurlos. Nach und nach bildete sich ein Wiederstand in der Bevölkerung Raptures und in der Silvesternacht 1958 kam es zur Eskalation. Anhänger beider Gruppen gingen aufeinander los. Etwas mehr als ein Jahr später betreten wir Rapture. Natürlich schließen wir uns Atlas an und machen uns auf den Weg die Unterwasserstadt zu verlassen. Doch der Weg führt nur über Ryans Leiche, versichert und die Stimme aus den Lautsprechern. Also kämpfen wir uns in bester Shooter-Manier durch die klaustrophobisch engen Gänge Raptures und putzen weg, was uns in die Quäre kommt. Und das ist reichlich. Das Ende verrate ich nicht, aber ich kann euch sagen, dass es diverse Twists in der Story gibt und ein dunkles Geheimnis, das wir selbst in uns tragen.
Das Rapture, das wir betreten, hat seine beste Zeit hinter sich. Ein Jsahr Chaos haben der Stadt ordentlich zugesetzt. Überall dirngt Wasser hinen, Brände haben komplette Abschnitte zerstört und Plünderungen und Wahnsinn der Bewohner haben für den Rest gesorgt. Rapture ist ein sterbendes Drecksloch. Dabei war die Stadt einmal wohl sehr pompös und modern. Überall endeckt man Fragmente, die an eine einst prunkvolle Zeit erinnern. Das beste was es in den 1930gern gab, das alles war in Rapture im Überfluss vorhanden. Mit ordentlich viel Arbeit und Liebe zum Detail haben die Entwickler von Bioshock eine sehr gaubwürdige und fanzinierende Umgebung geschaffen, in die man sich schon nach wenigen Schritten verliebt, aber vor der man sich mindestens genauso schnell fürchtet. Hinter eder Ecke könnte ein Gegner laueren und von diesen gemeinen Ecken gibt es genug. In jeder Schublade könnte die benötigte Munition liegen und auch Schubladen die man öffnen kann gibt es genug. Verwirrende Lichteffeckte, der metallische Klang von schweren Shritten auf rostigen Stahlplatten und das dauerhafte Glucksen von eindringendem Wassen machen Bioshock zu einem wahren Erlebnis für Augen und Ohren. Aber auch die Gespräche und Kampfschreie der Gegner tragen ordentlich dazu bei.
Gegen wen kämpfen wir eigentlich in dieser verfallenden Stadt der zerstörten Träume 1000 Meilen unter der See?! Gegen die letzten Überlebenden natürlich. Doch diese sind nicht mehr ganz so menschlich, wie bei ihrer Einwanderung in Rapture. Und der Grund dafür hat einen Namen: ADAM. Nein, nicht der von Eva, sondern eine Droge, die dazu entwickelt wurde Menschen etwas übernatürliches zu verleihen. Superkräfte zo zu sagen. Hiervon kommt das Bio in Bioshock. Diese Droge fördert kontrolierte Mutationen und erlaubt es uns z.B. aus unserer Hand Feuerbälle und elektrische Blitze auf unsere Gegner zu schleudern. Doch ADAM ermöglicht es uns auch die Sinne zu schärfen, Schäden besser regenerieren zu können oder Überwachunsgskameras und Shoppingautomaten schneller zu hacken. DOch so nützlich dieses ADAM kling, umso schwerer ist es daran ranzukommen. Denn das Zeug können wir nur gewinnen, wenn wir es kleinen Mädchen aus den Köpfen saugen. Diese kleinen Mädchen, im Spiel auch Little Sisters genannt, sind nämlich von einer unheimlichen Schnecke befallen, die in ihren Köpfen wohnt und sie zwing ADAM zu sammeln. Die kleinen Mädchen laufen als los, zapfen volgedröhnten und toten Mitbewohnern Raptures Blut ab und trinken dieses. Sie Hirnschnecke zersetzt das Blut und erschafft so reines ADAM. Kleine Mädchen dürften für uns eigentlich keine große Arbeit sein, da wir a) groß und stark sind und b) immer mit Waffen durch die Gegend laufen. Doch es gibt da ein Problem. Die little Sisters werden nämlich von Big Daddys bewacht. Das sind Menschen, die in überdimensionalen Taucheranzügen stecken und ganz schön austeilen können. Wollen wir also eine kleine Schwester anzapfen, müssen wir erst den Big Daddy aus dem Weg schaffen, was meistens nicht so einfach ist. Haben wir uns eines Big Daddys entledigt, haben wir wiederrum die Wahl. Wir können a) die kleine Schwester töten, um so an ein Maximum von ADAM zu gelangen, oder b) wir befreien sie von der Hirnschnecke, bekommen weniger ADAM, sind aber der Gute. Diese Entscheidung ist wegweisend. Denn je nachdem wie wir uns in diesen Situationen verhalten, ändert sich der weitere Verlauf des Spiels.
Wie ihr seht gibt es viele Aspekte in dem Spiel, über die ich mich heier noch seitenweise auslassen könnte. Es ist ein unglaublich komplexer Shooter mit einer tiefgründigen Story, die sowohl auf soziale wie auch gesellschaftliche und persönliche Abgründe und grundlegende Fragestellungen eingeht. Und das gefällt mir sehr. Man entdeckt eine Geschichte voller Träume, Hoffnungen und Wünsche und wie diese perversiert abstürzen und im Kampf um das blanke Leben enden. Großartiges Spiel.
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